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Wir möchten in unserem Forum die Zechen des Ruhrpotts entdecken, erleben und an sie erinnern, damit diese nicht in Vergessenheit geraten!

In diesem Gebiet gab es einst mehr als tausend Zechen und somit ist immer noch vieles von ihnen allgegenwärtig. Als die Kumpels für ihren Lohn unter Tage fuhren und den Staub schluckten war es kaum möglich, heute hingegen darf man einige Zechen auch besichtigen.

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Die Hüttenzeche

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Die Hüttenzeche

Beitrag von Meidericher am So 05 Okt 2014, 20:55

Der Phönix strebte danach, hinsichtlich für seine Hüttenkokerei erforderlichen Fettkohlen Bedarfs unabhängig zu werden. Dazu musste er die Förderung auf der Zeche Westende erheblich steigern und die Tagesanlagen ausbauen. Die Schachtanlage erhielt eine Kokerei, und mit der Ausrichtung der 5. Sohle wurde begonnen. Die Hauptförderung, die bis dahin auf Schacht 1 lag, ging nunmehr an Schacht 2 über, der wegen seines grösseren Durchmessers zu diesem Zwecke besser geeignet war. Ausserdem wurde der bis dahin noch hölzerne Förderturm des Schachtes 2 durch einen eisernen ersetzt. Die Förderung stieg stetig - bis sie im Jahre 1912 - 900 000 t erreichte.

Der Abbau ging in Richtung Laar ins Feld. Die Reviere lagen der Hütte bedeutend näher als den Förderschächten in Meiderich. Das bedeutete bei dem Anwachsen der Transportwege mit der Grube ständig wachsende Kosten. Ausserdem musste nach der Förderung und Aufbereitung die Kohle in Bahnwagen verladen, zum Hüttenwerk verfrachtet und dort wieder abgeladen werden. Das verursachte bei dem grossen Bedarf des Hüttenwerkes ganz bedeutende Kosten, die fast fort fielen, wenn hier direkt bei den Hochöfen, auf eigenem Werksgelände ein Schacht abgeteuft wurde. Die Förderwege in der Grube würden sich dann durch den auf den Schacht zuwandernden Abbau stetig verkürzen, der übertägige Bahntransport könnte ganz eingespart werden und, was für ,,den Phönix“ noch weiter von grosser Bedeutung war, die täglich anfallenden 1500 t Hochofen Schlackensand liessen sich unmittelbar an Ort und Stelle in die Grube spülen. Bis dahin war der Abbau fast durchweg ohne Versetzen der entstandenen Hohlräume geführt worden.

Vor Beginn der Abteufarbeiten musste man zwei Häuser, die dem Vorhaben im Wege standen, auf Rollen setzen und auf die andere Seite der Laarer Straße hinüberziehen. Zu der damaligen Zeit hat dieses Experiment grosses Aufsehen erregt.

                     

Mit dem Abteufen des Schachtes 4, der nach dem damaligen Generaldirektor Kamp der Phönix den Namen Kampschacht erhielt, wurde am 26. März 1906 begonnen. Auch er sollte als Senkschacht niedergebracht werden. Bei den Abteufarbeiten musste der Senkkörper bis zu einer Teufe von 20 m bereits viermal lotrecht ausgerichtet werden. Dann waren die Wasserzuflüsse zu stark, und der Schacht musste gestundet werden. Vor der Weiterführung der Abteufarbeiten wurde durch die Firma Haniel und Lueg das neu entwickelte Gefrierverfahren angewandt. Im August 1907 konnte nach der Fertigstellung des Frostzylinders das Abteufen von Hand fortgesetzt werden. Der hölzerne Abteufturm und der Schuppen der Gefrieranlage gerieten im Januar 1908 in Brand. 10 kg gefrorenen Dynamits war im Schachtgebäude beim Auftauen explodiert. Eine Unterbrechung des Betriebes trat jedoch nicht ein. Am 1. April 1909 wurde die Förderung aufgenommen, die bereits 1911 bei 1500 t pro Tag lag.


Laarer Straße im Jahre 1932 hinten links
sieht man die Pforte der Kokerei Westende




                                


                                                                          

Ein Kennzeichen des Tagesbetriebes Westende ist die fast 10 m hohe Betonmauer des Zechengeländes,                          
die zur Sicherung gegen die Hochwassergefahr des Rheins und der alten Emscher erfolgte.


Im Volksmund galt die Kampschachtanlage auch als ,,Port Arthur“ Einerseits wegen ihres festungsartigen Erscheinungsbildes - andererseits wegen der noch bei der Bevölkerung in lebhafter Erinnerung stehenden Ereignisses des russisch japanischen Kriege. Für den ständig wachsenden Grubenbetrieb war die Wetterversorgung der Schachtanlage unzureichend. Durch Verbindung des Kampschachtes mit dem Schacht Ruhr und Rhein im Jahre 1910 wurden die Zechen Westende 1/2 und 3/4 mit der Wetterführung voneinander unabhängig. Die günstige Entwicklung der beiden Schachtanlagen wurde jäh unterbrochen durch eine 1914/15 erlassene bergbehördliche Anordnung, die jeglichen Abbau in den bereits vor den Ersten Weltkrieg erweiterten Schutzbezirken untersagte. Das Baufeld der Schachtanlage Westende wurde damit so stark eingeschränkt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb unmöglich wurde. Dieser für die damaligen Besitzer schwerwiegenden Massnahme verdanken wir aber den Fortbestand der Anlage, wurde doch aus dem Verbot in den letzten Jahren ein zwingendes Gebot in Form des Abbauvertrages unter den Duisburg- Ruhrorter Hafenanlagen. Die Rettung kam mit dem 1. April 1926, als die Betriebsanlagen Westende mit den übrigen Vermögensteilen der Aktien- Gesellschaft Phönix in das Eigentum der neu gegründete, Vereinigte Stahlwerke AG, Gruppe Hamborn, eingebracht wurde.



Da die Fettkohlenvorräte der Schachtanlage zum Großen Teil abgebaut waren, lag es nahe, sie mit dem nördlich angrenzenden Schacht Rönsbergshof des Feldes Friedrich Thyssen zu vereinigen. So erhielt der Kampschacht ein zusätzliches Baufeld von 1,6 Mill. m². Dafür legte man die Schächte 1/2 im November 1927 wegen Erschöpfung des Kohlenvorrats still und kippte sie zu - 61 Jahre nach Aufnahme der Förderung. Alte Bergleute die ich noch kannte, erinnerten sich noch an die Vorgängerin der Schachtanlage Westende 1/2. Der erste Durchschlag mit Rönsbergshof erfolgte auf der 4. Sohle bereits 1926. Trotzdem musste die Förderung bis 1929 noch übertägig zum Kampschacht gefahren werden. Ab 1930 diente Rönsbergshof nur noch als Wetterschacht für die Zeche Westende. Er war von der Gewerkschaft Deutscher Kaiser in den Jahren 1908/1909 nach dem Senkschacht verfahren abgeteuft worden, bis 1915 bzw. 1925 als Wetterschacht den Schachtanlagen Friedrich Thyssen 3/7 und Schacht 4/8 dienend und schliesslich als selbständige Förderanlage in Betrieb.

Bis zum Jahre 1926 sind 2,8 Mill. t Kohle hier gefördert worden. Am 28. Juli 1964, Punkt 9:15 Uhr, fiel das 80 t schwere Schachtgerüst mit dumpfem Krachen und gewaltiger Staubwolke. Damit endete die 56 jährige Geschichte dieser Anlage. Der Zusammenschluss der Baufelder von Westende und Friedrich Thyssen liess die 1925 auf 500 000 t gefallene Förderung wieder stärker ansteigen. Die Höchstförderung konnte 1927 mit 1,13 Mill. t (beide Anlagen) erreicht werden. An andere Stelle mehr Information.

Die Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs 1930/1933 traf den Kampschacht schwer. Zählte bis dahin die Belegschaft weit über 2000 Mann, so sank allmählich diese Zahl auf 940 herab. Dazu kamen durchschnittlich zwei Feierschichten in der Woche. Der Abbau der Kohle musste stark gedrosselt werden und beschränkte sich schliesslich auf einige wenige gute Flöze. Die Förderung sank auf unter 500 000 t ab. Als die Hütte Ruhrort / Meiderich stillgelegt wurde, schien auch das Schicksal der Hüttenzeche besiegelt. Doch es gelang schliesslich, die Tore offen zuhalten und das drohende Gespenst der Stilllegung zu bannen.

1934 änderte sich wieder einmal der Name des Besitzers. Der gesamte Bergwerksbesitz der Vereinigte Stahlwerke wurde in der Gelsenkirchener Bergwerks, AG zusammengefasst. Die Schachtanlage Westende gehörte nun zur Gruppe Hamborn. Unter und über Tage ergaben sich grosse Veränderungen. Der Zechenplatz wurde vollkommen neu gestaltet, das Fördergerüst verstärkt, ebenso die Fördermaschine. Die östliche Fördermaschine wurde durch eine stärkere, frei gewordene von der Anlage Friedrich Thyssen 3/7 ersetzt.

Die westliche Fördermaschine wurde 1911 von der AEG aufgestellt. Umgebaut und vergrössert wurde auch das Verwaltungs- und Wäschegebäude. Neue Bauten entstanden. Durch Sondergenehmigung konnte in einzelnen Flözen der Abbau unter dem Rhein durchgeführt werden.

Die Förderung stieg auf über 800 000 t.

Die Kriegsjahre haben den Kampschacht nicht verschont. In so manchen Nächten fielen Brandbomben und verursachten einige schnell gelöschte Brände. Dann aber kam der 14. Oktober 1944, an dem die Schachtanlage so stark mitgenommen wurde, dass sie zum vorläufigen Stillstand verurteilt war. Der Morgen brachte den Angriff, bei dem das Fördermaschinen Gebäude von drei Sprengbomben getroffen wurden. Die beiden Fördermaschinisten blieben in ihrem Schutzstand unverletzt. Das Gebäude hatte jedoch die Maschinen unter seinen Trümmern begraben, aus denen nur die verbogenen Träger und Teile der Kranbahn emporragten

Der neue mächtige Wäschebau, der erst im Jahre 1942 fertig geworden war, wurde von einer Sprengbombe an der Nordwestecke von oben bis unten aufgerissen. Ausserdem ging eine Schaltstation in Flammen auf, ein Brand, der sich über die elektrischen Kabel auf die ganze Wäsche auszudehnen drohte. Er konnte aber noch frühzeitig gelöscht werden. Die Sieberei war zu einer unentwirrbaren Trümmerstätte geworden, über der die beiden Aufgabenbecherwerke der Wäsche herabhingen. Bei dem folgenden Nachtangriff fiel nochmals eine Sprengbombe in den Schutthaufen des Fördermaschinen Gebäudes, und den Holzplatz trafen so viele Brandbomben, dass er nicht mehr gelöscht werden konnte.


Bei den Aufräumungsarbeiten zeigte sich, dass die Fördermaschinen und die Umformer unter ihrem Splitterschutz nur wenig gelitten hatten. Bereits im Februar 1945 konnte die Förderung wieder aufgenommen werden. Im März / April 1945 zwang das Artilleriefeuer der näher rückenden Front die Betriebsleitung, die Schachtförderung nur noch auf der Nachtschicht in Betrieb zu nehmen. Die Beschiessung richtete noch viele Beschädigungen an, traf aber keine lebenswichtigen Teile der Anlage mehr.

Die Mitte April einrückenden amerikanischen Truppen hielte die Schachtanlage bis Mitte Oktober 1945 besetzt. Die Materialnot behinderte sehr stark den Wiederaufbau. Vieles war zu Bruch gegangen. Aber Bergleute kennen sich mit Brüchen aus. Sie räumten auf, und so kam nach und nach wieder Leben in den Betrieb, bis im Monat Mai 1945 bei zehn Arbeitstagen eine durchschnittliche Tagesförderung von 150 t erreicht wurde. Für das Jahr 1945 ergab sich eine Gesamtförderung von 100 000 t, die in den folgenden Jahren auf rund 800 000 t gesteigert werden konnte. Noch einmal wechselte der Name des Besitzers der Schachtanlage. Am 1. Juli 1953 wurde im Zuge der Entflechtung die Gruppe Hamborn der GBAG in die beiden Gesellschaften Hamborner und Friedrich Thyssen Bergbau AG geteilt. Die Besitzverhältnisse der Friedrich Thyssen Bergbau AG, zu der auch die Schachtanlage Westende gehörte, lagen zu je 50% bei der Hamborner Bergbau AG und den Hüttenwerken Phoenix AG.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg sich wieder einmal die Kohlenvorräte der Schachtanlage Westende zu erschöpfen drohten, wurde der Fortbestand der Anlage durch einen 1951 abgeschlossenen Vertrag mit der Duisburg - Ruhrorter Häfen AG und der Wasser- und Schifffahrt Direktion Münster gesichert, der die Absenkung des Geländes des größten europäischen Binnenhafens durch Abbau von Kohle zum Gegenstand hatte.

Die im Vertrag festgelegten Richtlinien für den Abbau machten es nötig, dass zunächst die Ausrichtung des gesamten Hafenfeldes bis an dessen südliche Begrenzung vorgenommen werden musste, um dort als erstes den Abbau in den Schleusenpfeilern in Gang zu bringen. Von dort aus bewegte sich der Abbau nach Norden auf die Schachtanlage zu.

In den Jahren 1951-1955 wurde diese Ausrichtung durch Querschläge, Richtstrecken und Blindschächte im Bereich der 2. und 3. Sohle so weit fertig gestellt, das 1955 der Abbau in Flöz Sonnenschein auf-genommen werden konnte. 1957 folgte Flöz Präsident, 1958 Flöz Girondelle und 1962 Flöz Johann. Im Jahre 1965 wurde mit den Ausrichtungsarbeiten für den Abbau in Flöz Finefrau begonnen.

Ein Nachruf am 20.07.1968 - von der Rheinische Post

Einstmals stolze Schachtanlage,
bald erinnert nur noch der Name „Port Arthur" daran

Noch fünf Tage, dann wird Schachtanlage „Westende" geschlossen. Das Leben in den Stollen erlöscht, sie werden verfüllt und nicht viel Zeit wird darüber hingehen, bis nur noch Heimatkundler und alte Veteranen wissen, dass hier einmal Kohle gefördert wurde. Aber auch hier gilt der Refrain aus einem Lied: „'s war immer so, 's war immer so!"

In einer alten vergilbten Zeitung steht ein Artikel über Westende. Der Redakteur hat darüber geschrieben: „Einstmals eine stolze Schachtanlage", und er meinte die Schächte I und II, die 1927 geschlossen wurden. Wie sich alles wiederholt: Auch damals löste so ein Schachtende Diskussionen über Kohlenkrisen aus und mit den gleichen Worten auch tröstete man sich: „Schliessungen von Bergwerken sind für den Bergmann eigentlich nicht neu, denn er weiss, dass mit der ersten geförderten Tonne Kohle aus einem neuen Pütt auch dessen letzte Stunde schon feststeht. Sind die Felder aus gekohlt, muss der Schacht Schliessen, ist das Bergwerk gestorben. Ein Schicksal also, das jedem Schacht beschieden ist. Trotzdem ist jeder Bergmann schmerzlich berührt, wenn sein Schacht ausläuft."

Mit dem Namen „Westende" ist eine alte, wechselvolle Geschichte verbunden. Als Schacht I und II noch in Betrieb waren, gehörte sie zu den ältesten Duisburger Anlagen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie von einer englischen Gesellschaft errichtet. Fünf Jahre wurde unter englischer Leitung gearbeitet, dann ging den Engländern „die Puste" aus und nach 1870 trat die „Société Anonyme des Charbonnage du Rhin" an ihre Stelle. Die förderte auch bald die ersten Kohlen, drei Zentner für zwölf Silbergroschen.

Wieder fünf Jahre weiter und ein deutsches Konsortium trat auf den Plan, dessen Hauptaktionär das Bankhaus Erlanger in Frankfurt war. Meidericher Steinkohlenbergwerke nannte sich die Zeche. 400 Mann schafften täglich 700 Tonnen Kohle.

Das war 1881. 3,60 Mark betrug der Lohn je Mann und Schicht. 1889 teufte man Schacht II ab. Die Begründung erinnert wieder an heutige Bestrebungen der Wirtschaftslenkung, denn es hiess „Zur Hebung des Meidericher Erwerbs- und Verkehrslebens wurde mit dem Abteufen begonnen." (Zum zweiten mal: 's war immer so.")

1892 griff „Phönix" zu, übernahm den Pütt und schuf sich eine eigene Kohlenbasis. Phönix gelang es auch, den ersten Meidericher Schacht der Zeche „Ruhr und Rhein", der 1889 abgesoffen war, wieder frei zu pumpen. Der erhielt dann die Nummer III, diente jedoch nur als Luftschacht. Erst um das Jahr 1905 erinnerte man sich an weitere starke Kohlenflöze und damit schlug auch die Geburtsstunde für den Schacht IV und das ist „Westende", die Schachtanlage, die am 31. Juli 1968 „den Deckel zumacht". Ihr Ende sollte eigentlich schon bedeutend früher sein, aber „im hohen Alter noch" erwuchs ihr die tolle Aufgabe, die Häfen abzusenken.

Das ist aber Geschichte und nicht allgemein bekannt

Die Schliessung erfolgt aber unter ganz anderen Bedingungen, als die von den Schächten I und II. 1927 hiess es in einem Zeitungsartikel: „Nur ein Teil der Arbeiter und Angestellten fand sogleich einen neuen Arbeitsplatz. Die übrigen mussten stempeln, bis es ihnen gelang, neue Arbeit zu finden, denn die Wirtschaftskrise befiel unsere Stadt mit besonderer Heftigkeit." Heute findet die gesamte Belegschaft der letzten Westende - Anlage vollgültige Arbeit in Lohberg und auf Friedrich Thyssen 2/5 und das Duisburger Arbeitsamt urteilte, dass die Schliessung keine Auswirkungen auf den örtlichen Arbeitsmarkt haben wird. (Jetzt muss man also sagen: „'s war nicht immer so!")

Wie das Gelände der alten Schächte I und II längst anderer Nutzung zugeführt wurde (dort steht jetzt der Schlacht- und Viehhof und nur der Name „Die Westender Strasse" erinnert noch daran), so wird auch unser Westende anderen Werken dienen. Vielleicht heisst es eines schönen Tages: Und nur der Name „Port Arthur" (der Spitzname von Westende) erinnert noch an eine einstmals stolze Schachtanlage.

02.08.1968

Westende fördert letzte Kohle ohne Trauerstimmung
Rentner erhalten schon jetzt Anpassungshilfe. Bei Donner, Blitz und Gewitterregen schlug gestern die letzte Stunde für „Schachtanlage Westende". Die Stilllegung barg keine sensationellen Hintergründe, sie hat nichts mit der Kohlenkrise zu tun. 70 Prozent der Belegschaft finden auf Lohberg und 2/5 gleichwertige Arbeit, 15 Prozent scheiden aus Altersgründen aus und 15 Prozent kehren freiwillig ab. Die Belegschaft, einst 2000, betrug zuletzt noch 320 Mann. Die Rentenberechtigten der Schachtanlage gehen nicht leer aus. Gestern fasste der Vorstand der Hamborner- und Friedrich-Thyssen-Bergbau AG den Beschluss, ihnen im Vorgriff die Anpassungsbeihilfe der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl und der Bundesregierung schon jetzt zu zahlen. In den Genuss der je einige tausend Mark betragenden Beihilfe kommen etwa 60 Mann.

Rund 50 Millionen Tonnen gute Nusskohle sind in der rund hundert Jahre alten Schachtanlage zutage gefördert worden. Diese stolze Zahl hatten die „Letzten von Westende" an den tannengrün umkränzten Förderwagen geschrieben.

Und weil die kleine Feierstunde so gar nichts Tragisches in sich barg, schrieben sie noch dazu: „Die letzte Prise: Gesamtverbrauch an Schnupftabak 48 881 595 Kilogramm" und malten zwei schnupfende Kumpel dazu. Vorstandsmitglied Dr. Bartzel widmete der Schachtanlage einen ehrenvollen Nachruf. Sie hat ihre große Aufgabe als Energieversorger wacker erfüllt und zum guten Ende noch eine Grosstat durch die Absenkung der Duisburg-Ruhrorter Häfen geleistet.

Das Tröstliche in der Abschiedsstunde muss man darin sehen, dass die grosse Rationalisierung im Steinkohlenbergbau als ein Schritt nach vorwärts zu sehen ist. In dieser Hinsicht hat der Hamborner Bergbau, der seine Zechen von fünf auf zwei verminderte, ein gutes Beispiel gegeben. Jetzt steht er trotz Krise auf einer soliden Grundlage. Vorbildlich, das muss jeder Bergmann bestätigen, wurden alle Zechenschliessungen vom Hamborner Bergbau durchgeführt. In jedem Fall erhielten die Belegschaften frühzeitig und offen von der Betriebsleitung Bescheid und stets wurden alle Beschäftigten in gleichrangigen Stellungen untergebracht.

Betriebsratsvorsitzender Mond wertet das als grossen Verdienst der Arbeitgeberseite, besonders von Arbeitsdirektor Dr. Terhorst: „Westende hat den Beweis erbracht, dass immer gute Ergebnisse zustande kommen, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Dinge gemeinsam besprechen. Auch aus diesem Grund kann man in positivem Sinn über die Schliessung von Westende sprechen, und das möge beispielhaft für das ganze Ruhrgebiet sein."

Bergwerksdirektor i. R., Dr. Hoffmann, von 1930 bis 1945 Betriebsdirektor von Westende, förderte in der Abschiedsstunde eine kleine „Tonne" Erinnerungen zutage: Als die Schachtanlage nach dem schweren Bombenangriff 1944 kaum wieder einsatzfähig war, lag sie mitten in der Kampflinie. Es durfte kein Feuer gemacht werden, weil der aufsteigende Rauch der amerikanischen Artillerie zu gutes Ziel bot, und das Leben spielte sich grösstenteils in den Luftschutzkellern ab. Die Übertage Belegschaft - eine besonders traurige Erinnerung - musste in den Tischlereien Särge herstellen und Stollen Stempel für Luftschutzkeller verarbeiten. Aber trotz der Bombenangriffe kam auf dem Gelände von Westende kein Belegschaftsmitglied ums Leben.

Jetzt beginnt auf Westende die Raubarbeit, die voraussichtlich bis zum Jahresende abgeschlossen sein wird. Westende steht dann der August-Thyssen-Hütte für Betriebserweiterungen zur Verfügung.

Die planmäßige Absenkung der Duisburger- Ruhrorter Häfen - durch den Kohleabbau- wird auf den nächsten Seiten ausführlicher beschrieben.

Historische Bilder der Schachtanlage Westende.
                     

                                      

                                                     

                                     

                                     



                                                                 






Text und Bilder = Quelle Dieter Schulze-Elvert (mit freundlicher Genehmigung Fr.Brandt)


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