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Der Hamborner - und Fr. Thyssener Bergbau

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Der Hamborner - und Fr. Thyssener Bergbau

Beitrag von Meidericher am So 05 Okt 2014, 21:05

Mit dieser Betrachtung soll die Vergangenheit, des Hamborner- und Fr. Thyssen Bergbaus in technischer, wirtschaftlicher und menschlicher Hinsicht darstellen.

1. Technisch:

Mit dem Erwerb der Kuxe der Gewerkschaft Deutscher Kaiser 1, fasste August Thyssen im Jahre 1889 im Hamborner Raum endgültig Fuss. Damit nahm hier der Bergbau eine stürmische Aufwärtsentwicklung, in deren Dienst schon von Anfang an die Fortschritte der Technik gestellt worden sind. Hierfür einige Beispiele: Schacht 1 der Gewerkschaft Deutscher Kaiser war ein Senkschacht, der mit einem von 12 Ochsengespannen angetriebenen Sackbohrer im toten Wasser abgeteuft wurde. August Thyssen führte für das Schachtabteufen im hiesigen Raum das wesentlich leistungsfähigere Gefrierverfahren ein, ohne das die mächtigen Deckgebirgsschichten nicht hätten durchörtert werden können.
b10

Die Gründung des Hamborner Bergbaus war eine Pioniertat von August Thyssen. Er hat allerdings hier nicht beim absoluten Nullpunkt angefangen, sondern schon etwas vorgefunden, wenn auch Recht bescheidene Anfänge.

Der älteste Schacht war Ruhr und Rhein. Seine Anfänge gingen auf das Jahr 1850 zurück. Er diente noch als Wetter-schacht der Schachtanlage Westende 1/2, auch später für den Hauptförderschacht so genannter Kampschacht. Weit in das 19. Jahrhundert hinein reicht auch Schacht 1 der Schachtanlage Fr. Thyssen 1/6, der aus dem Jahre 1872 stammt, der Gewerkschaft Deutscher Kaiser 1 gehörte und im Jahre 1958 zugeschüttet wurde.



Die Druckluft wurde im Hamborner Bergbau auf Schacht 1 im Jahre 1894 eingeführt, die elektrische Energie zum Betrieb einer Wasserhaltung im Jahre 1900. Vorher war schon die Dampfkraft als Energieträger vorhanden, natürlich für eng begrenzte Zwecke, insbesondere zum Betrieb der Hauptschacht - Fördermaschine. Die älteste Dampffördermaschine, arbeitete seit dem Jahre 1907, sie betrieb die östliche Förderung von Schacht 5, in Hamborn. Die erste Druckluft Lok wurde im Jahre 1910 für den Hamborner Bergbau angeschafft. Auch Stahlstempel sind schon im Jahre 1907 auf Fr. Thyssen 2/5 angewendet worden. Die ersten Abbauhämmer wurden als Versuchsmodelle im Jahre 1912 im Hamborner Bergbau eingeführt; aber erst 1922 wurden die Betriebe planmässig mit Abbauhämmern ausgerüstet; im gleichen Jahre ging man von der Benzinlampe auf das elektrische Geleucht über. Der erste Kohlenhobel (Schlomshobel bei der Belegschaft genannt) wurde im Februar 1943 auf Westende eingesetzt; dort lief im Jahre 1944 auch der erste PF-0 Panzerförderer.


Einst kennzeichneten Abbauhammer, Pannschippe und Holzausbau den Kohleabbau
                                                                                   


2.Wirtschaftlich:

Einen guten Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung des Bergbaus im hiesigen Raum erhält man aus Abbildung 1.

Sie zeigt die Jahresförderung der Schachtanlagen seit 1876, wobei die Förderung der Schachtanlage Westende bzw. ihrer Vorgängerinnen mit einbezogen worden ist, obwohl die Schachtanlage Westende erst im Jahre 1926 in den Verband des Thyssen - Bergbaus aufgenommen worden ist. Die Förderung setzt auf der Schachtanlage Fr. Thyssen 1/6 im Jahre 1876 mit einem geringfügigen Betrag ein.

Die Kurve steigt zunächst langsam, dann immer steiler an, sie erreicht noch vor der Jahrhundertwende eine Million Tonnen, steigt bis 1903 auf zwei Millionen und im Jahre 1906 auf drei Millionen Tonnen, um im Jahre 1913 die 5 Millionen - Tonnen - Grenze zu überschreiten. Wir sehen auf dem Bilde ferner, welche Ereignisse zur Fördersteigerung beigetragen haben:

im Jahre 1894 die Förderaufnahme der Schachtanlage Fr. Thyssen 3/7,

im Jahre 1896 von Fr. Thyssen 2/5,

im Jahre 1903 von Fr. Thyssen 4/8

Im Jahre 1913 von Lohberg und von Wehofen, damals Schacht Rhein 1 genannt. Dann sinkt die Förderkurve im Verlaufe des ersten Weltkrieges auf etwas über 4 Millionen Tonnen im Jahre 1915, steigt als Ergebnis verstärkter Kriegsanstrengungen wieder auf 5 Millionen Tonnen an, im Jahre 1917 - an dieser Fördersteigerung hat die Förderaufnahme von Schacht Rönsbergshof im Jahre 1915



Ihren Anteil gehabt, um nach dem verlorenen ersten Weltkrieg sehr steil auf etwa 2 Millionen Tonnen Jahresförderung im Jahre 1920 abzusinken. Es folgt ein steiler Wieder anstieg auf fast 5 Millionen Tonnen im Jahre 1922 und danach als Folge der Inflation und des Ruhrkampfes ein ebenso steiler Rückschlag auf knapp 3 Millionen Tonnen im Jahre 1923.

Nach der damaligen Währungsreform kommt ein steiler Wieder anstieg der Förderung bis auf das bisher jemals erreichte Maximum von 6 Ÿ Millionen Jahrestonnen im Jahre 1928, an deren Erreichung die Schachtanlage Beeckerwerth massgeblich beteiligt war, die wir im Bilde sehen, ihre Förderung im Jahre 1923 aufgenommen hat. Dem Höhepunkt von fast 7 Millionen Jahrestonnen folgte ein Rückschlag auf unter 4 Millionen Tonnen Jahresförderung im Jahre 1932. Das sind die Jahre der Grossen Wirtschaftskrise, im hiesigen Raum verbunden mit einer starken Rationalisierung und Konzentrationsbewegung, die wir hier im Bilde sehen, verbunden war mit einer Stilllegungen der Schachtanlagen:

1927 Fr. Thyssen 1/6

1928 Wehofen

1930 Rönsbergshof

1931/32 Fr. Thyssen 3/7

Im Laufe der Rationalisierung und des politischen Umschwungs in Deutschland stieg die Förderung wieder stark an. Sie erreicht im Jahre 1935 wiederum die 5 Millionen Grenze, übersteigt im Jahre 1937 die 6 Millionen Grenze, hält sich dann während des zweiten Weltkriegs über der 5 Millionen Grenze, um im letzten Kriegsjahr auf 4,5 Millionen Tonnen und nach dem Zusammenbruch des Jahres 1945 wieder auf eine Million Jahrestonnen, also auf den Zustand etwa der Jahrhundertwende, abzusinken. Die danach folgenden Jahre sind die Jahre unseres wirtschaftlichen Wiederaufbaus.

Am Schluss der Kurve erkennt man schliesslich das Absinken der Förderung in den Jahren 1958 und 1959 und den beginnender wieder anstieg im Jahre 1960. Mit der einschneidendsten Rationalisierungs- Massnahme dieser Krisenjahre ist hier auch die Stilllegung der Schachtanlage Fr. Thyssen 4/8 verzeichnet. Die Förderung steigt steil an, etwa auf 4,8 Millionen Tonnen Jahresförderung im Neuordnungsjahre 1953, um sich dann mit verhältnismässig geringfügigen Schwankungen bis zum Beginn der Kohlenkrise (1958) etwa auf dieser Höhe zu halten. Die Kurve zeigt im Ganzen gesehen wie die Steinkohlenförderung mit wichtigen wirtschaftlichen und politischen Ereignissen zusammenhängt.

Man kann sie in drei Abschnitte einteilen: einen Anfangsabschnitt von 1876 etwa bis zum ersten Weltkrieg mit stetigem mehr oder weniger steilem Anstieg, einen Mittelabschnitt vom Beginn des ersten bis zum Ende des zweiten Weltkrieges mit geradezu fieberhaft auf - und abwärts springenden Zacken und einen dritten Abschnitt seit 1945, der mit einem steilen Aufstieg beginnt und in eine verhältnismässig stetige Entwicklung ausläuft. Der Zeitabschnitt jedenfalls, der mir als die Kohlenkrise (ab 1958) in Erinnerung blieb, sieht sich in diesem fast über ein Jahrhundert erstreckten Kurvenzug ziemlich harmlos an gegenüber den hektischen Ausschlägen der Förderkurve in ihrem mittleren Abschnitt. Die Kurve gibt übrigens auch einige Auskunft über die Lebensdauer der Schachtanlagen.



Noch einen besseren Überblick hierüber gibt aber Abbildung 2

Sie stellt die Grubenfelder der Hamborner Bergbau AG und Friedrich Thyssen Bergbau AG dar. Eingetragen sind die Schächte, jeweils mit Beginn und Beendigung der Förderung. Im südlichen Teil des Grubenfeldes Schacht Ruhr und Rhein, der von 1857 bis 1890 als Förderschacht gelebt hat und zuletzt als Wetterschacht der Schachtanlage Westende, deren Förderschacht auch den Namen Kampschacht führte, rechts daneben die alten Schächte Westende I und Westende II, die von 1856 bis 1927 bzw. von 1892 bis 1927 gelebt haben links im Rheinknie die beiden Beeckerwerther Schächte, die aus den Jahren 1922 und 1923 stammen; Rechts davon Schacht Rönsberghof, der von 1913 bis 1930 Kohlen gefördert hat, nachdem er vorher seit 1909 als Wetter- und Spülschacht diente; Darüber die Schachtanlage Fr. Thyssen 4/8, bei der Schacht 4 von 1903 bis 1939 und Schacht 8 von 1925 bis 1959 existiert hat; Dann die Schachtanlage Fr. Thyssen 3/7; Hier arbeitete Schacht 3 von 1895 bis 1932 und Schacht 7 von 1908 bis 1932 als Förderschacht; anschliessend die Schachtanlage Fr. Thyssen 1/6; Von diesen beiden Schächten hat Schacht 1 von 1876 bis 1921, Schacht 6 von 1907 bis 1926 Kohlen gefördert. Es schliesst sich nach Norden die Schachtanlage Fr. Thyssen 2/5 an; Schacht 2 stammt aus dem Jahre 1896 und Schacht 5 aus dem Jahre 1909.

Dann folgen die Schächte Wehofen 1 und Wehofen 2, die von 1913 bis 1928 bzw. von 1914 bis 1928 Kohle gefördert haben, und schliesslich im Norden des Grubenfeldes die beiden Lohberger Schächte, die im Jahre 1913 die Förderung ausnahmen und durch einen dritten Lohberger Schacht erweitert wurde. (In Hünxe - Schacht 3). Jede Schachtanlage hat, einem lebendigen Wesen vergleichbar, eine gewisse Lebensdauer. Diese Lebensdauer richtet sich nach den Kohlenvorräten, ausserdem aber auch nach anderen Faktoren, insbesondere nach der Frage, ob die allgemeine wirtschaftliche Lage und die spezielle Kostenlage im Einzelfalle das Weiterbestehen einer Schachtanlage ermöglichen oder eine Konzentrationsbewegung notwendig erscheinen liessen.

Im Hamborner Raum wurde um die Jahrhundertwende mit einer kleinen Schachtanlage angefangen und dann im Zu-sammenhang mit der Fördersteigerung die Anzahl der fördernden Schachtanlagen bis zum Jahre 1923 auf 12 Hauptschächte gesteigert, die gleichzeitig in Förderung waren. Danach ging die Zahl der Förderschächte auf 10 späterhin auf 7 und schliesslich auf 5 zurück. Sie hielt sich längere Zeit bei 5, um dann im Jahre 1959 auf 4 abzusinken.

Es förderten nur noch Lohberg, Thyssen 2/5, Beekerwerth und Westende.

Dabei hat sich, wie die oben gezeigte Förderkurve zeigt, die Jahresförderung in etwa auf gleicher Höhe gehalten; zumindest ist sie auch nicht annähernd in gleichem Masse zurückgegangen wie die Zahl der Schachtanlagen.

Die wirtschaftliche Marschrichtung in der Vergangenheit ist demnach so gewesen, dass die Zahl der Förderschächte nach Erreichung eines Maximums im Jahre 1923 seitdem ständig zurückgegangen ist, während sich gleichzeitig die Kapazität der verbleibenden Schachtanlagen durch Ausbau von kleineren Schachtanlagen zu Gross-schachtanlagen vergrösserte.

Sie befanden sich also in einer Konzentrationsbewegung, die verbunden war mit einer Bewegungsrichtung der Abbauschwerpunkte nach Norden hin. Diese Bewegungsrichtung entsprach der allgemeinen, durch die Natur gegebenen Entwicklungstendenz des ganzen Ruhrbergbaus. Die gleiche Entwicklungsrichtung vom kleineren zum Grossen Betriebe zeigt sich übrigens auch, wenn man die Zahl der Abbau Betriebspunkte und die tägliche Förderung je Abbau Betriebspunkt zurückverfolgt.

Das geschieht in Abbildung 3, und zwar mit Rückschau bis auf das Jahr 1926. Die schwarze Fläche zeigt uns die Anzahl der Abbau Betriebspunkte, auf sämtlichen Schachtanlagen des Hamborner Bergbaus und die Kurve die Tagesförderung die im Durchschnitt in jedem Abbau Betriebspunkt erzielt worden ist. Im Jahre 1926 gab es 382 Abbau Betriebspunkte mit einer durchschnittlichen Tagesförderung von 41 Tonnen je Betriebspunkt.

Bis zum Jahre 1932 ist dann die Zahl der Abbau Betriebspunkte auf 38 gesunken und die tägliche Kohleförderung je Abbau Betriebspunkt auf 380 Tonnen gestiegen. Im Zuge der ersten Grossen Rationalisierungs-welle hat sich also die Zahl der Abbau Betriebspunkte auf ein Zehntel vermindert und die Kohleförderung je Abbau Betriebspunkt fast auf das Zehnfache erhöht Die Zahl der Abbau Betriebspunkte bleibt dann, abgesehen von dem Absinken im Jahre 1945 - die ja mit einem gleichzeitigen Absinken der Kohleförderung verbunden ist, etwa konstant. In der Nachkriegszeit macht sich namentlich seit 1953 als Folge der zunehmenden Mechanisierung der Abbaubetriebe eine Zunahme der Tagesförderung je Abbau Betriebspunkt bemerkbar.

Um 1960 schliesslich sank die Zahl der Abbau Betriebspunkte auf ein vorher nicht gekanntes Minimum, während die Tagesförderung je Abbau Betriebspunkt ein vorher gleichfalls unbekanntes Maximum erreicht.

Der Zug der Zeit war etwa seit 1925 bei uns im Hamborner Bergbau - wie wohl überall im deutschen Stein-kohlenbergbau der Weg vom Kleinen zum Grossen, mag es sich nun um die Schachtanlage als Ganzes oder um den einzelnen Streb Betrieb handeln.



3. Menschlich:

Lehrreich ist auch ein Rückblick auf die Entwicklung des Hamborner Bergbaus in menschlicher Hinsicht.

In Abbildung 4 sind die Belegschaftszahlen von 1876 bis 1960 eingetragen, wobei wiederum die Belegschaft der Schachtanlage Westende auch vor dem Jahre 1926 mitgezählt worden ist. Die Belegschaftskurve entspricht in ihrem Verlauf etwa der vorher gezeigten Kurve der Jahresförderung. Im Jahre 1876 hatte man eine Belegschaft von rund 800 Mann. Um die Jahrhundertwende war sie auf 5 000 Mann angestiegen und entwickelte sich dann schnell aufwärts bis auf 18 500 Mann im Jahre 1908. Sie fiel dann während des ersten Weltkrieges auf 13 000 Mann und stieg in den zwanziger Jahren wiederum stark an, um im Jahre 1926 mit rund 25 000 Mann einen Höhepunkt zu erreichen. Es folgte ein sturzähnlicher Abstieg auf weniger als die Hälfte, also auf etwas über 10 000 Mann Ende der zwanziger Jahre, dem wieder eine Belegschaftsvermehrung mit anschliessendem Belegschaftsabstieg in dem Katastrophenjahr 1945 folgte. Der rechte Kurventeil schliesslich zeigt den Belegschaftsanstieg im Verlauf der Wiederaufbaujahre und den Belegschaftsrückgang auf rund 17 500 Mann als Folge der Kohlenkrise, die im Jahr 1958 begann. Man kann die Belegschaftskurve ebenso wie die vorher gezeigte Förderkurve in drei Hauptabschnitte einteilen:

Der linke Abschnitt zeigt dem stetigen Belegschaftsanstieg; der mittlere Teil der Belegschaftskurve den gleichen fieberhaften Ausschlägen nach oben und unten, die auch das Charakteristische Kennzeichen der Jahresförderung waren. Einem Förderrückgang entsprach sehr schnell ein Belegschaftsrückgang durch Entlassungen, weil damals eben das Risiko des Bergbaus weitgehend auf die Belegschaft abgewälzt wurde, indem Rationalisierungsmassnahmen zu Arbeiterentlassungen Grossen Massstabes und zur Arbeitslosigkeit mit Massenelend führten.

Im rechten Teil der Belegschaftskurve schliesslich zeigt sich das Ergebnis des systematischen - Wiederaufbaus der Belegschaften seit dem Jahre 1945.

Es ist dies die Zeit, die gekennzeichnet ist durch die planmässige Werbung von Jugendlichen und Neubergleuten, den Bau von Berglehrlingsheime, Knappenheime, Bergmannsheime, Pestalozzidörfer und Gemeinschaftshäuser, Berufsschulen und Turnhallen, die Entwicklung des Wohnungsbaues unter sozialen Gesichtspunkten die Modernisierung die Werksfürsorgen und die Pflege der bergmännischen Kulturarbeit. Ab 1958 begann eine 20 jährige Kohlenkrise, die wieder zu Stilllegungen von drei Schachtanlagen führte: 1959 Schacht 4/8, 1963 Beeckerwerth und 1968 Westende.

Alle Bergleute konnten auf die restlichen 2 Schachtanlagen Thyssen 2/5 und Lohberg verlegt werden. 1961 kamen die ersten 93 Gastarbeiter aus der Türkei zur Schachtanlage Westende. 1969 Gründung der Ruhrkohle, 1998 Gründung der DSK. Aber die anhaltende Kohlenkrise und Absatz der Kohleförderung war ein Niedergang, der nur noch vorübergehend im Wechsel der Konjunktur (Ölkrise 1973 und 1979) unterbrochen wurde. Das führte weiterhin zu einer Stilllegung, vom Schacht 2/5 im Jahre 1976.



Schächte in Hamborn

Schacht 1, Hamborn (nordwestlich vom Bahnhof Neumühl) 1871 Teufbeginn und im gleichen Jahr umbenannt in Schacht Deutscher Kaiser 1, 1874 erreicht dieser Schacht bei 129 m Teufe das Karbon, 1876 in Betrieb, 1958 verfüllt.

Schacht 2, Aldenrade, 2,1 km nordwestlich von Schacht 1, 1888 Teufbeginn , 1890 Fliesssand - Einbruch, der Schacht säuft ab und wird daraufhin gesümpft, 1894 erreicht er bei 234 m das Karbon, 1896 in Betrieb, 1977 verfüllt.

Schacht 3, Bruckhausen, 2,3 km westlich von Schacht 1, 1889 Teufbeginn, 1892 erreicht dieser Schacht bei 176 m Teufe das Karbon, 1895 in Betrieb, nach 1963 verfüllt.

Schacht 4, Wittfeld, 1,6 km südlich Schacht 1, 1899 Teufbeginn, 1902 erreicht dieser Schacht bei 122 m Teufe das Karbon, 1903 in Betrieb, 1959 stillgelegt, 1960 verfüllt.

Schacht 5, neben Schacht 2, 1901 Teufbeginn, 1908 erreicht dieser Schacht bei 237 m Teufe das Karbon, 1910 in Betrieb, 1977 verfüllt.

Schacht 6, neben Schacht 1, 1903 Teufbeginn, 1905 erreicht dieser Schacht bei 119 m Teufe das Karbon, 1908 in Betrieb, 1977 verfüllt.

Bergbau schacht 6

Schacht 7, 200 m südlich von Schacht 3, 1905 Teufbeginn, 1906 erreicht dieser Schacht bei 168 m das Karbon, 1907 in Betrieb, nach 1963 verfüllt.

Schacht 8, neben Schacht 4, 1905 Teufbeginn, die Arbeiten werden später jedoch wieder gestundet, 1922 erneuter Teufbeginn, 1924 erreicht dieser Schacht bei 180 m Teufe das Karbon, 1925 in Betrieb, 1960 verfüllt.

Spülschacht Nr. 1 Ottostraße 1906 Teufbeginn, 1908 in Betrieb, Verfüllung nicht bekannt.

Spülschacht Nr. 2 Pollmannshof, 1,5 km östlich der Schachtanlage 2/5 1907 Teufbeginn, 1910 erreicht dieser Schacht bei 250 m das Karbon, 1911 in Betrieb, 1962 aufgegeben und bis 8. Sohle verfüllt.

Spülschacht Nr. 3 Rönsberghof, in Duisburg- Beeck, 1908 Teufbeginn, 1910 in Betrieb, 1915 selbständige Zeche Rönsberghof, 1964 aufgegeben und verfüllt.

Spülschacht Nr. 4 Matenastraße, Alsum, 600 m nordwestlich der Schachtanlage 3/7, 1911 Teufbeginn, 1912 erreicht dieser Schacht bei 148 m das Karbon, 1913 in Betrieb, 1918 stillgelegt, 1936 aufgegeben.

Spülschacht Nr. 5 Lohhof 1914 Teufbeginn, 1916 in Betrieb, 1936 aufgegeben.

Chronologisches

Nachdem 1856 die ersten Bohrungen fündig geworden sind, wird Mutung eingelegt.

Das Feld Sanssouci I wird 1858 verliehen. Im Jahr darauf erfolgt die Verleihung der Felder Sanssouci II-VI, Holland, Holland II, Holland III-V, Holland VI. Sie werden zu Rheinland (14,7 km²) konsolidiert. Des Weiteren werden die Felder Hamborn I-III, Hamborn VII und Hamborn VIII verliehen. Das Feld Hamborn VI wird 1860 und das Feld Hamborn IV 1861 verliehen. 1866 folgt dann die Verleihung des Feldes Neu-Düppel.

Die Hamborn-Felder werden 1867 zum Grubenfeld Hamborn konsolidiert, das eine Gesamtgrösse von 10,6 km² hat. Die Umbenennung der sich inzwischen formierten Gewerkschaft Hamborn in Gewerkschaft Deutscher Kaiser erfolgt 1871. Daraus resultierend wird die Zeche in den Jahrzehnten danach Deutscher Kaiser genannt. 1876 erhält die Zeche einen Bahnanschluss.

Das Feld Walsum wird 1887 verliehen und im Jahr darauf die Felder Walsum II-III. Die Felder Deutscher Kaiser, Rheinland, Walsum I-IV und Neu - Düppel werden 1889 zu Deutscher Kaiser konsolidiert. das gesamte Grubenfeld beläuft sich jetzt auf 34 km². 1902 bis einschliesslich 1918 ist Deutscher Kaiser die grösste Zeche im Ruhrrevier.

1903 wird der Abbau auf Schacht 4 wegen Bergschäden nur mit dem Vollversatz verfahren zugelassen. Das Grubenfeld wird geteilt in Deutscher Kaiser (Südteil mit insgesamt 27,9 km² Größe) und Rhein I (6,2 km²), das abgetrennt wird.

Das Feld Beeckerwerth wird 1912 verliehen. Ein Jahr später ist das Grubenfeld 28 km² groß. 1914 verfügt die Zeche über 7 Förderschächte und 5 Spülschächte.

Der Spülschacht Nr. 3 (Schacht Rönsberghof) wird 1915 als selbständige Schachtanlage Rönsberghof ausgegliedert. Die Konsolidation der Felder Beeckerwerth und Deutscher Kaiser zur Zeche Friedrich Thyssen 2/5 erfolgt im Jahre 1919.

Das Grubenfeld ist jetzt 28,9 km² Gross. 1920 bis einschließlich 1931 ist Friedrich Thyssen die Größte Zeche im Ruhrrevier.

Ein Teil des Grubenfeldes der angrenzenden Schachtanlage Rönsberghof wird 1926 übernommen. Die Schachtanlage 1/6 wird als Förderstandort 1927 aufgegeben und das Baufeld auf die Schachtanlagen 2/5 und 4/8 aufgeteilt. Die Schächte bleiben weiterhin für Seilfahrt, Wetterführung etc. offen.

1928 kommt es zu bedeutenden Bewegungen im Feldesbesitz der Zeche. Das Feld der stilliegenden Zeche Wehofen einschließlich der Schächte wird übernommen.

Ein Teilfeld von Friedrich Thyssen wird an Neu - Oberhausen (später Franz Haniel) abgegeben, während ein Feldesteil der Markscheide Zeche Neumühl übernommen wird. Während des Umbaus der Schachtanlage 2/5 wird ab 1929 in den Schächten Wehofen 1 und 2 Kohle gefördert.

Die Schachtanlage 3/7 wird als Förderstandort 1931 stillgelegt. Die Schächte 3 und 7 sowie die Spülschächte Matenastraße und Beeckerwerth - Nordost werden zusammen mit dem Baufeld an die Zeche Beeckerwerth abgegeben. Die Kokerei bleibt jedoch im Besitz von Friedrich Thyssen.

Auf der Schachtanlage Wehofen werden 1933 die meisten Tagesanlagen abgerissen und die beiden Schächte abgedeckt. Allerdings gehen beide Schächte ab 1936 als Wetterschächte wieder in Betrieb.

Schacht 4 wird im Jahr 1944 durch Bombenangriffe zerstört.

Dort säuft auf Grund dessen die 8. Sohle ab. Nach dem Krieg im Jahre 1945 wird dann auch die Kokerei auf der Schachtanlage 3/7 an Beeckerwerth abgegeben.

Eine Richtstrecke zur Wasserlösung wird von Friedrich Thyssen 2/5 1975 zur Zeche Walsum hin aufgefahren. Nach insgesamt 1,222 km erreicht diese Strecke ein Jahr später seinen Endpunkt.

Am 15. Dezember 1976 wird Friedrich Thyssen 2/5 stillgelegt. Die Schachtanlage Wehofen mit seinen Schächten 1 und 2 wird an Walsum abgegeben.

1977 wurden die Tagesanlagen auf der verbliebenen Schachtanlage 2/5 abgerissen und die Schächte nachfolgend verfüllt.

Nennenswerte Unglücke:

12. April 1909 Schlagwetterexplosion auf der Schachtanlage 2/5 mit 5 Todesopfern

28. November 1911 Schlagwetterexplosion auf der Schachtanlage 3/7 mit 16 Todesopfern.

8. November 1915 Kohlenstaubexplosion auf der Schachtanlage 3/7 mit 20 Todesopfern

18. Mai 1918 Schlagwetterexplosion auf der Schachtanlage 3/7 mit 20 Todesopfern

28. Juli 1923 Seilriss bei der Seilfahrt auf der Schachtanlage 4/8 mit 7 Todesopfern

18. Februar 1926 Strebbruch auf der Schachtanlage 2/5 mit 3 Todesopfern

26. November 1929 Wasserdurchbruch auf der Schachtanlage 3/7 mit 4 Todesopfern

27. Januar 1938 Steinfall in einer Strecke auf der Schachtanlage 4/8 mit 4 Todesopfern

Mit der Eingemeindung von Walsum 1975, hatte die Stadt Duisburg aber wieder eine fördernde Schachtanlage.
Text und Bilder = Quelle Dieter Schulze-Elvert (Mit freundlicher Genehmigung Fr.Brandt)

Du Land an der Ruhr

Wir sind geboren, wo Hütten und Zechen

inmitten der Großstadt ragen hervor,

wo tief in der Erde sie Kohle brechen,

wo Feuer lodern zum Himmel empor.

Wir sind geboren, wo Schornsteine rauchen,

wo Dröhnen der Hämmer Hallen durchdringt,

wo in den Werken ein Zischen und Fauchen,

wo nie das Lied der Arbeit verklingt.

Wir sind geboren, wo tausende Räder,

wo Walzen im steten Kreislauf sich drehn,

wo sesshaft geworden unsere Väter,

wo Stunden im ewigen Schaffen vergehn.



Wir sind geboren, wo grünende Wiesen,

wo munter die Flüsse durchziehen das Land,

wo Mauern die alten Burgen umschliessen,

wo Schiffe sich wiegen am wogenden Strand.

Wir sind geboren, wo kostbare Werte

seit uralter Zeit uns gibt die Natur.

Da sind wir geboren, - o heilige Erde,

du bist uns're Heimat, du Land an der Ruhr.

Fritz Bähr Friedrich Thyssen 2/5






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