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In diesem Gebiet gab es einst mehr als tausend Zechen und somit ist immer noch vieles von ihnen allgegenwärtig. Als die Kumpels für ihren Lohn unter Tage fuhren und den Staub schluckten war es kaum möglich, heute hingegen darf man einige Zechen auch besichtigen.

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Zeche Graf Schwerin

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Zeche Graf Schwerin

Beitrag von Meidericher am Mi 25 Feb 2015, 18:44

Der Name der Schachtanlage geht auf den preußischen General Graf Schwerin zurück. Die ungünstige Lage auf dem Castroper Höhenrücken führte auch zu einer Kuriosität. Auf der Anlage 3/4 stand gute Kokskohle an. Da aber deren Gelände zu klein war wurde die Kokerei 3/4 auf dem Betriebsgelände 1/2 gebaut und die Kohle lange Zeit mit einer Seilbahn, von der keine Reste erhalten sind dorthin transportiert. Noch seltsamer war der Bau einer Kokerei für Schacht 4 auf dem Gelände der Zeche Lothringen 4 neben der dort seit 1910 betriebenen Kokerei. Auch die Kosten für eine Kokerei mit nur 60 Öfen hatte es bis dahin nie gegeben, knapp 9 Mio. Mark. Es ist wohl im Konzern eine kreative Buchführung bei schlechter Geschäftslage erfolgt.

Nach der Stilllegung bestand ein Verbund mit der Bochumer Zeche Lothringen, die seit 1937 im Besitz von Graf Schwerin war. Diese baute die Restkohlen ab. Da beide Berechtsamen nicht aneinander grenzten wurde die Kohle übertage mit der Bahn nach Bochum transportiert. Die Verbindung unter Tage durch das Grubenfeld von Erin war ab 1970 geplant, da bis dahin auch der Schacht Lothringen 2 tiefer geteuft sein sollte. Dazu kam es aber nicht mehr.

Der Schacht 1 erhielt einen Malakoffturm, dem später ein Strebengerüst aufgesetzt wurde. Er war bis zur Stilllegung in Betrieb. Nach dem Verbund mit der Zeche Lothringen in Bochum wurde die Rohkohle mit dem Zug zur Aufbereitung dorthin transportiert. Unter Tage konnte keine Verbindung hergestellt werden, da zwischen beiden Anlagen die Zeche Zollern lag, die einer anderen Gesellschaft gehörte. Nach der endgültigen Silllegung 1967 wurde die Kokerei von der RAG noch bis 1975 weiter betrieben.
Erst 2008 begann die abschließende Sanierung der Betriebsfläche, auf der Gewerbe angesiedelt werden soll. Die angrenzende Halde ist bepflanzt worden. Auf dem Gipfel wurde eine Sonnenuhr aus kreisförmig gesetzten Stahlrohren installiert. Die hinaufführenden Treppen sind aus typischen im Bergbau verwendeten Materialien. Der Castrop-Rauxeler Künstler Jan Bormann benutzte für die "Naturachse (N-S)" Eisenbahnschwellen und Grubenholz, für die "Industrieachse (O-W)" Stahlbrammen und Eisenbahnschienen. Das Ensemble ist Teil der Route der Industriekultur. Die Schächte sind mit Protegohauben versehen. Daneben liegt eine kleine Erdpyramide mit einer Stahlskulptur auf dem Gipfelplateau. Die Uhr geht eine halbe Stunde nach, da sie die Görlitzer Zeit zeigt. Die Stadt Liegt exakt auf dem 15. Längengrad, der die Mitteleuropäische Zeit definiert. An den Hängen der Halde sind kleinere Skulpturen vom weiteren Künstlern zufinden. Nur ein Betriebsgebäude (Labor und Schlosserei) hat zum Wohnhaus umgebaut "überlebt".

Das Gelände von Schacht 3/4 liegt in einem Taleinschnitt. Es reichte für einen Luftschacht, war aber mit der Aufnahme der Kohleförderung zu klein, um die nötigen Aufbereitungsanlagen zu erstellen. Daher wurde die Seilbahn zum Schacht 1/2 gebaut. Heute ist nichts mehr von der Anlage erhalten. Sie liegt etwas versteckt in einem Waldstück und ist nicht frei zugänglich. Die ab 1910 betriebene Kokerei lag am Schacht 1/2 und wurde als separater Betrieb geführt. Sie blieb bis 1975 in Betrieb, da dort ein getragter Koks für Gießereien hergestellt wurde. Ansonsten war sie ein Anachronismus. Zwar wurde sie immer gewartet und repariert. Aber die Prokuktion erfolgte mit der 1910 üblichen Technik. Der Koks wurde aus den Öfen gedrückt un davor mit Schläuchen gelöscht. Entsprechend verteilten sich die Löschschwaden mit Schmutz- und Geruchsbelästigung im Umkreis.
Die Betriebsfläche ist inzwischen komplett abgeräumt, die Schächte haben Betonabdeckungen. In der Nähe ist eine Bohrung zum Nutzen des Methans niedergebracht worden. Das dort errichtete Gaskraftwerk wird wahrscheinlich nicht lange betrieben, da die Gasmengen geringer sind als erwartet. (Quelle ruhrzechenaus.de)

Hat hier jemand Fotos dazu ??


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