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Wir möchten in unserem Forum die Zechen des Ruhrpotts entdecken, erleben und an sie erinnern, damit diese nicht in Vergessenheit geraten!

In diesem Gebiet gab es einst mehr als tausend Zechen und somit ist immer noch vieles von ihnen allgegenwärtig. Als die Kumpels für ihren Lohn unter Tage fuhren und den Staub schluckten war es kaum möglich, heute hingegen darf man einige Zechen auch besichtigen.

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Zeche Ruhr & Rhein

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Zeche Ruhr & Rhein

Beitrag von Meidericher am Fr 08 Aug 2014, 17:56

Im Jahre 1857 begann ein französisches Konsortium mit der Niederbringen eines Schachtes im Hafengebiet von Duisburg Ruhrort. Das Schachtgelände lag direkt neben der Strasse nach Duisburg- Ruhrort.

1861 wurde ein kleiner Malakowturm Erbaut. Im Anschluss wurde die Förderung aufgenommen.

Die Zeche entwickelte sich wegen des stark wasserführenden Deckgebirges wirtschaftlich nicht so wie erwartet. Dies führte neben der insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Zeit zur mehrmaligen Zahlungsunfähigkeit der Betreibergesellschaft.

1870 liquidierte die Betreibergesellschaft. Die Schachtanlage ging in den Besitz einer ebenfalls französischen Nachfolgegesellschaft.

Dieser Vorgang wiederholte sich 1874 erneut. Nach dem dritten Konkurs 1885 wurde die Meidericher Steinkohlen-bergwerks -AG gegründet, die in deutschem Mehrheitsbesitz stand.

Sie benannte den Schacht in Ruhr & Rhein um. Da die weiterhin geplanten Abbaue unter den Rheinhäfen zu grossen Investitionsvorhaben geführt hätten, entschloss sich die Gesellschaft, den Schacht an die benachbarte Zeche Westende ab zugeben.

Der Schacht wurde 1890 von Westende übernommen und als Schacht 3 weitergeführt.

Die Zechen Friedrich Thyssen

Das Bergwerk wurde als Betriebsgesellschaft der neu gegründeten Gewerkschaft Friedrich Thyssen im Jahre 1919 gegründet.

Diese übernahm die Schachtanlagen Deutscher Kaiser 1/6, 2/5, 3/7 und 4 aus der auf gespaltenen Gewerkschaft Deutscher Kaiser.

Die einzelnen Schachtanlagen, deren Gesamtförderung im ersten Weltkrieg zeitweise über 5 Mio. t Kohle jährlich betragen hatte, wurden als eigene Werksdirektionen weitergeführt. 1926 wurden sie der Gruppe Hamborn der Gelsenkirchener Bergwerks -AG angegliedert.

Im Jahre 1922 wurde mit der Fortführung der Abteufarbeiten des gestundeten Schachtes 8 auf der Anlage Friedrich Thyssen 4 begonnen. Dieser konnte 1925 in Betrieb gehen, wodurch auch die letzte der Thyssen-Schachtanlagen zur vollständigen Doppelschachtanlage ausgebaut worden war.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts sind zusätzlich mehrere Nebenschächte in Betrieb gewesen, um Wetterführung und Wasserhaltung in den Grubenfeldern zu gewährleisten.

Von diesen Schächten war der Schacht Rönsbergshof im Jahre 1915 als eigenständiger Förderschacht ausgebaut worden.

Dieser wurde als eigenständige Förderanlage bis 1931 geführt. Im Anschluss wurde er mit südlichen Feldesteilen an die Markscheidende Zeche Westende abgegeben.

Im Gegenzug verlagerte die Anlage Friedrich Thyssen 4/8 den Abbau schrittweise nach Nordosten. Zu diesem Zwecke wurde der Schacht 5 der dort angrenzenden Zeche Neumühl übernommen, und künftig als Außenschacht Wittfeld geführt.

Im Zuge einer sich durch die Weltwirtschaftskrise abzeichnenden Verschärfung des Absatzmarktes wurden die Schachtanlagen Friedrich Thyssen 1/6 im Jahre 1928 als Förderanlage stillgelegt. 1932 wurde die Förderung auf Friedrich Thyssen 3/7 eingestellt.

Zugleich wurde die Schachtanlage Friedrich Thyssen 2/5 grosszügig zur Zentralförderanlage ausgebaut. Schacht 2 erhielt ein neues vollwandiges Strebengerüst zur Übernahme der Förderung in Grossraumwagen.

Die Schachtanlage Friedrich Thyssen 1/6 wurde der Anlage 2/5 als Seilfahrt- und Wetterschachtanlage zugeordnet. Gleichzeitig wurde die 1933 stillgelegte Zeche Wehofen sowie der frühere Wasser Haltungsschacht Pollmannshof als Aussenanlage betrieben.

Die Schachtanlage Friedrich Thyssen 3/7 wurde als Aussenanlage an die westlich angrenzende Zeche Beeckerwerth abgegeben.

Die Kokereien Friedrich Thyssen 3/7 und 4/8 wurden Weiterbetrieben und zu Zentralkokereien ausgebaut.

Im zweiten Weltkrieg wurde insbesondere die Schachtanlage 4/8 durch Bombenfall beschädigt. Der Wiederaufbau Schacht 4 führte zur Errichtung eines baugleichen Fördergerüstes über Schacht 4 wie über Schacht 8.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Grubenfeld Eigentum der Gelsenkirchener Bergwerks - AG entflochten. Die Thyssen - Schächte wurden der Hamborner Bergbau -AG zugeordnet und dort in der Untergesellschaft Friedrich Thyssen Bergbau -AG eigenständig betrieben.

Ferner wurde die Kokerei Friedrich Thyssen 3/7, 1953 endgültig an die August - Thyssen-Hütte abgetreten.

Durch die einsetzende Kohlenkrise Ende der 50er Jahre entschloss sich die Friedrich Thyssen Bergbau - AG relativ frühzeitig zu drastischen Rationalisierungsmassnahmen. Schacht 1 wurde 1956 verfüllt.

Bereits 1959 wurde die Förderanlage Friedrich Thyssen 4/8 mit dem Nebenschacht Wittfeld auch wegen fehlender Wanderungsmöglichkeit komplett aufgegeben. Die Verfüllung der Schächte und der Abbruch der Tagesanlagen erfolgten in den Folgejahren.

Die Kokerei 4/8 wurde noch einstweilen Weiterbetrieben

1968 ging die Friedrich Thyssen Bergbau - AG in die neu gegründete Ruhrkohle AG ein. Das Bergwerk Friedrich Thyssen 2/5 und 1/6, sowie Wehofen 1/2 und die Kokerei Thyssen 4/8 gingen in die Bergbau AG Oberhausen über.

Stilllegung

In der Mitte der 70er Jahre entschloss man sich zur Stilllegung, da die Vorräte keinen wirtschaftlichen Betrieb mehr gewährleisteten.

1975 wurde eine Wasserlösungsstrecke zum benachbarten Bergwerk Walsum auf gefahren. Die Schächte Wehofen 1/2 wurden als Wasser Haltungsschachtanlage übergeben.

1976 erfolgte die Stilllegung der Zeche Friedrich Thyssen 2/5.

1977 wurde die Kokerei Friedrich Thyssen 4/8 stillgelegt.

Zechen wurde gekauft und verkauft, gingen in Konkurs oder in den Aktienbesitz mal des einen, dann des anderen Grossunternehmers über, wobei August Thyssen mit seinem ausgeprägten Instinkt für gute und schlechte Geschäfte aus seinem Bergwerk - Imperium ein noch grösseres machte: den weltweit bedeutenden Thyssen - Konzern.

In keinem der Duisburger Bergwerke wurde mehr als 100 Jahre gefördert. In Meiderich, Laar und Beeckerwerth endete die Bergbaugeschichte noch vor der in Hamborn, wo sich am 1. Juli 1959 zum letztenmal die Förderräder auf Schacht 4/8 drehten. Das Ende vom Bergbau in Neumühl kam 1962 und zog das damals bundesweit grösste Stadt Sanierungsprogramm (Hagenshof) nach sich. Und wäre 1975 nicht Walsum eingemeindet worden, dann hätte bereits ein Jahr später mit Friedrich Thyssen 2/5 die letzte Duisburger Zeche dicht gemacht.

Heutiger Zustand

Von den Tagesanlagen dieser grossen Schachtanlagen ist fast nichts erhalten. Lediglich das Schachtgerüst Friedrich Thyssen 6 ist als Industriedenkmal erhalten.

Hier mal Bilder zum Schachtgerüst






Auf dem Gelände von Schacht 1/6 ist die Verwaltung der Thyssengas AG angesiedelt.


Zuletzt von Meidericher am Mo 08 Sep 2014, 09:26 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet (Grund : Edit)


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Re: Zeche Ruhr & Rhein

Beitrag von Meidericher am Di 22 März 2016, 19:34

Hier ein kleines Video dazu.



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